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Tschüss, Schulprojekt Klimawandel! Hoffentlich bis bald!

Am 14. Juni fand am DKRZ die Abschlussveranstaltung des Schulprojekts Klimawandel statt. Das 2005 gestartete Schulprojekt Klimawandel ist eine Kooperation zwischen Instituten der Klimaforschung in Hamburg, darunter das DKRZ, und zwölf Schulen in Hamburg und Schleswig-Holstein. Leider konnte bisher für die aus Altersgründen ausscheidende Projektleitung keine Nachfolge finanziert werden. Nicht nur während des Vortragsprogrammes - auch während der Gespräche beim anschließenden Ausklang mit Snacks und Getränken waren sich alle Veranstaltungsteilnehmer einig, dass eine Fortführung eines derartig erfolgreichen Projektes mehr als wünschenswert ist und diskutierten verschiedene Ideen, um dies zu ermöglichen. Rainer Köker, der stellvertretend für Schulsenator Thies Rabe die Veranstaltung besuchte, versicherte, sich in der Schulbehörde für eine Weiterführung des Projektes einzusetzen.

Im Rahmen des Schulprojekts wurden in den letzten fast 15 Jahren Schülerinnen und Schüler mit den Methoden der Klimawissenschaft vertraut gemacht und haben eigenständig zahlreiche Themen zum Klimawandel und seinen Folgen erarbeitet. Die Begeisterung über unzählige erfolgreiche Schülerprojekte aus dieser Zeit schwang auch bei der Abschlussveranstaltung unter den etwa 40 Gästen mit, darunter Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Schulen, der Schulbehörde, aus der Wissenschaft und ehemalige sowie gegenwärtige Mitarbeiter, Förderer und Unterstützer des Projekts.



Nach der Begrüßung durch Prof. Thomas Ludwig, Geschäftsführer des DKRZ, und einen der beiden Projektleiter, Dr. Dieter Kasang, betonte Prof. Martin Claußen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, während seiner Grußworte die Wichtigkeit der Verbindung von Wissenschaft und Bildung. Diese sei nicht nur ein Thema an der Universität, sondern auch durch das Klimaprojekt in besonderer Weise realisiert worden.

Dr. Dieter Kasang gab als Initiator und Projektleiter einen Rückblick auf das Schulprojekt. Er betonte den Bedarf nach einem solchen Projekt gerade angesichts der aktuellen Fridays-for-Future-Bewegung. Anders als die meisten vergleichbaren Projekte in Deutschland hat sich das Schulprojekt Klimawandel nicht auf punktuelle Begegnungen zwischen Wissenschaft und Schule bei Laborbesuchen und Vorträgen beschränkt, sondern langfristige Unterrichtsprozesse über ein halbes Jahr und länger unterstützt. So entstanden zahlreiche Schülerarbeiten, die auf der Projektwebseite erschienen, auf Veranstaltungen an der Uni Hamburg präsentiert wurden sowie etliche Preise bei Jugend-forscht-Wettbewerben erhielten.

Deutschlands wohl bekanntester Klimaforscher, Prof. Mojib Latif vom GEOMAR in Kiel, erinnerte in seinem Vortrag über „Klimaforschung und Gesellschaft“ daran, dass schon der Bericht des Club of Rome von 1972 verdeutlichte, dass die Menschen die Erde übernutzten und die Grenzen des Wachstums erreicht seien. Latif mahnte erneut, genau wie es junge Menschen bei ihrer Fridays-for-Future-Initiative tun, dieses Wissen nicht länger zu ignorieren, sondern eine zukünftig klimaneutrale Politik einzufordern.

Angelika Knies als langjährige Schulleiterin der Anne-Frank-Schule in Bargteheide und Reiner Sievers als Oberstufenkoordinator an der Stadtteilschule Bergstedt und Projektpionier berichteten begeistert, wie das Klimaprojekt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eröffnet hat, neues Wissen aktiv selber zu erarbeiten und ihre eigenen Kompetenzen zu entwickeln. Knies hob hervor, dass sich die Projektarbeit, nicht zuletzt durch die Auswertung von Klimamodelldaten und den persönlichen Kontakt zu ‚echten‘ Forschern, durch ihren wissenschaftspropädeutischen Charakter auszeichnete und ihre Schülerinnen und Schüler hervorragend auf ein späteres Universitätsstudium oder eine Ausbildung vorbereitete. Da „Wissenschaft und Schule hier wirklich verzahnt worden sind“ forderte Knies, die Fortführung des Schulprojekts Klimawandel am Wissenschaftsstandort Hamburg sicherzustellen.

Dass Klimaforschung unterhaltsam vermitteln werden kann, zeigte Dr. Sebastian Bathiany, früherer studentischer Mitarbeiter des Projekts und heute Wissenschaftler am Climate Service Center Germany, der selber als Science-Slammer und auf vielen anderen Feldern des Klima-Entertainment aktiv ist. Anstelle von Diagrammen und Tabellen können klimatische Phänomene in der Kunst oder in der Literatur, z.B. als Haiku-Gedichte, in Kinderbüchern, als Karten- oder Computerspiele, Farben oder Tönen (Wie klingt das Klima?) veranschaulicht werden. Bathiany entwickelt aktuell eine App, um sein Traumklima für den Urlaub mit einer klimaverträglichen Anreise zu finden.

Prof. Sandra Sprenger, Leiterin der Geographiedidaktik an der Universität Hamburg, befasste sich in ihrem Vortrag mit Vorstellungen und Konzepten von Schülerinnen und Schülern über den Klimawandel und deren Veränderung durch die Mitarbeit im Schulprojekt. Dabei stützte sie sich auch auf Untersuchungsergebnisse über die Wirkung des Projekts auf die beteiligten Schülerinnen und Schüler durch ihre Doktorandin Mareike Schauß. Viele Schüler unterscheiden häufig nicht zwischen Wetter und Klima und lesen aus Wetterphänomenen den Klimawandel ab. Die Mitarbeit im Schulprojekt Klimawandel schloss nicht nur Wissenslücken, sondern steigerte das Bewusstsein der Schüler für Forschungsarbeit deutlich, insbesondere für die Bedeutung von verlässlichen Quellen und die eigene Arbeit mit wissenschaftlichen Daten. Eine auffällige Verstärkung durch die Mitarbeit im Klimaprojekt und den Kontakt mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erfuhr das Interesse an einem Studiengang im naturwissenschaftlichen Bereich.

Als Beispiel für eine gelungene Arbeit im Rahmen des Schulprojekts Klimawandel stellten die beiden Schülerinnen Lucile Raddatz und Hannah Ohlmeyer vom Gymnasium Osterbek ihre Untersuchung zur „Ozeandüngung“ als eine Maßnahme des Climate Engineering vor. Dabei beleuchteten sie sowohl das Konzept der Ozeandüngung, das vom Alfred-Wegener-Institut durchgeführte Experiment zur Eisendüngung im Südatlantik - als auch die seerechtlichen Probleme des Vorgehens und urteilten abschließend, dass sie das Verfahren nicht als sinnvolle Alternative zur Reduktion der Emissionen von Kohlendioxid ansehen.

Zum Abschluss gab Dr. Hans Luthardt, der zweite Projektleiter, einen Ausblick auf verbleibende Aufgaben des Projektteams. Vor allem die Weiternutzung der in den letzten 15 Jahren erstellten Materialien für Schüler und Lehrer der ehemaligen Projektschulen, aber auch für Nutzer darüber hinaus, sollte sichergestellt und gepflegt werden. Die Materialien befinden sich größtenteils auf dem Hamburger Bildungsserver. Außerdem müsste das Angebot von Beobachtungsdaten ausgebaut und deren Visualisierung ebenfalls durch Einführungen in die Bearbeitung der Daten ermöglicht werden. Eine ausführliche Videoanleitung ist außerdem für die Durchführung von Experimenten mit dem einfachen Klimamodell MSCM (Monash Simple Climate Model) geplant. Und weiter ausgebaut werden soll auch das Angebot von lizenzfreien Bildern zum Klimawandel auf dem Klimawiki des Deutschen Bildungsservers. Die aktuellen Bedingungen erlauben es, bis September 2019 Lehrerinnen und Lehrer in der Anwendung dieser Materialien zu schulen.

Programm zum Download (pdf-Datei)

Ausführlicher Bericht zur Abschlußveranstaltung des Schulprojektes Klimawandel auf dem Hamburger Bildungsserver: hier

Weitere Informationen zum Schulprojekt Klimawandel:
Ziel des Schulprojektes Klimawandel war es, Schülerinnen und Schüler für das Klimathema zu sensibilisieren sowie sie an universitäres Arbeiten heranzuführen.
Unter der Leitung von Dr. Dieter Kasang und Dr. Hans Luthardt und unterstützt von studentischen Mitarbeitern begleitete das Projekt Schülerinnen und Schüler bei der Bearbeitung eines von ihnen gewählten Themas zum Klima und Klimawandel. Ein besonderes Angebot waren dabei aufbereitete Klimadaten, die von aktuellen Simulationen mit komplexen Erdsystemmodellen stammen. Diese haben die Schülerinnen und Schüler in Form von Klimakarten z.B. selbst visualisiert und danach für die Bearbeitung des von ihnen gewählten Themas genutzt. Die kontinuierlich erweiterte Datenauswahl umfasst globale und regionale Simulationen des Klimawandels und zum Climate Engineering. Darüber hinaus wurde innerhalb des Schulprojekts das interaktive einfache Klimamodell MSCM (Monash Simple Climate Model), das u.a. zum Verständnis einzelner Prozesse im Klimasystem herangezogen werden kann, für den Unterricht aufbereitet und durch didaktische Materialien ergänzt.
Hervorragende Schüler*innen-Arbeiten, die im Rahmen des Projektes entstanden, wurden auf dem Hamburger Bildungsserver veröffentlicht.
Zweimal jährlich fanden an der Universität Projektworkshops statt, bei denen Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Arbeiten vor über 200 Mitschülern vorstellen konnten sowie Vorträge von Wissenschaftlern hörten.
Das Projekt wurde auf mehreren öffentlichen Veranstaltungen präsentiert: während der Hamburger Nacht des Wissens, auf dem Deutschen Geographenkongress in Tübingen als auch auf den OER (Open Educational Ressources)-Festivals in Hamburg und Berlin und bekam 2011 den 2. Preis des deutschlandweiten Wettbewerbs 'Schule trifft Wissenschaft‘ der Robert-Bosch-Stiftung (die das Projekt von 2005 bis 2010 auch direkt gefördert hatte).
Angeregt durch Sandra Sprenger, Professorin der Geographiedidaktik an der Universität Hamburg, erprobten Lehramtsstudenten und Referendare mehrfach die im Projekt entwickelten Methoden, woraus wertvolle Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten resultierten. In Seminaren am Landesinstitut für Lehrerbildung in Hamburg wurden zudem Lehrkräfte, die nicht in dem Klimaprojekt mitarbeiten, mit den Möglichkeiten wissenschaftsorientierter Arbeit zum Klimawandel vertraut gemacht.

Webseite vom Schulprojekt: http://klimaprojekt.de

Projektflyer zum Download:


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