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Europakonferenz der Geowissenschaften: EGU 2020 wird virtuell

11.05.2020

Die ursprünglich für den 4. bis 8. Mai 2020 in Wien geplante Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) fand in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie großteils virtuell statt – darunter auch mit zahlreichen Beiträgen vom DKRZ.

Alle Autorinnen und Autoren konnten für ihre ursprünglich geplanten Aktivitäten das Präsentationsmaterial wie Karten, Folien oder Animationen auf die EGU-Webseite hochladen und mit den Onlineteilnehmenden in den vorgesehenen Zeitfenstern in Live-Text-Chat-Sitzungen diskutieren. Zudem gab es Live-Übertragungen von zehn Symposien und Debatten mit Hauptrednerinnen und -rednern.

Über 26.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten das neue Online-Format Sharing Geoscience Online, um an über 700 Sessions mit mehr als 11.000 Präsentationen teilzunehmen. In den 721 Live-Text-Chats posteten sie über 200.000 Nachrichten, um sich über ihre Forschungen und Ideen auszutauschen.

Weitere Informationen auf der Webseite der EGU 2020: https://egu2020.eu/

Am ersten Konferenztag stellte Dr. Karsten Peters gemeinsam mit Oliver Bothe vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht in der Session CL1.4 “Climate Change in the geological record: what can we learn from data and models?” am 4. Mai den Datenmanagement-Plan für das Projekt PalMod II vor.

Als Highlight der Session CL2.8 “Evaluating and improving precipitation in climate models” am 4. Mai wurde der Beitrag “Did tropical precipitation improve in CMIP6 simulations?” hervorgestellt, an dem unter anderem auch Dr. Karsten Peters mitwirkte.

Die Beiträge von Dr. Martina Stockhause auf der EGU 2020 widmeten sich Themen rund um das internationale Modellvergleichsprojekt CMIP6 (Coupled Model Intercomparison Project) und der Datenbehandlung im IPCC Sachstandsprozess. CMIP6 ist in jeder Hinsicht groß: in der Anzahl der Experimente, der teilnehmenden Modellierungszentren, sowie hinsichtlich Datenvolumen und Variabilität der unterschiedlichen Datennutzer und deren Anwendungen. In der Session ESSI2.1 “Metadata, Data Models, Semantics, and Collaboration” am 4. Mai wirkte Dr. Martina Stockhause bei der Präsentation “Advances in Collaborative Documentation Support for CMIP6” mit. In einer weiteren Session ESSI2.10 “Data Integration: Enabling the Acceleration of Science Through Connectivity, Collaboration, and Convergent Science” am 6. Mai ging Dr. Martina Stockhause in dem Beitrag “Documentation of climate change data supporting cross-domain data re-use” konkret auf die Dokumentation, sowie Dienstleistungen bei der Zitierung und Fehlerdokumentation für CMIP6-Daten ein.
In der Session ESSI3.5 “Breaking down the silos: enabling Open and convergent research and e-infrastructures to answer global challenges” am 5. Mai übernahm Dr. Martina Stockhause die Präsentation des Beitrags “Implementing FAIR Principles in the IPCC Assessment Process”. Darin berichtete sie von der neuen Datenverarbeitung für den aktuellen Bewertungszyklus des IPCC: erstmals werden Daten im Bericht zitiert sowie Abbildungsdaten mit Informationen zu ihrer Erstellung abgespeichert.

Die DKRZ-Visualisierer Dr. Niklas Röber und Michael Böttinger leiteten am 5. Mai die Session ITS4.2/ESSI4.2 „State of the Art in Earth Science Data Visualization“. Niklas Röber und Dr. Florian Ziemen berichteten über die Arbeit der Visualisierungsgruppe an einem Film im Dome-Format (für Planetarien geeignet) über sturmauflösende Wetter- und Klimasimulationen im Rahmen des Projekts DYAMOND++: „Visualization of high-resolution climate model output in a Visualization dome”. Der Film ist als 180° VR-Video auf Youtube zu sehen.

Für den 5. Mai war ebenfalls die Session ESSI3.2 “The evolving Open and FAIR ecosystem for Solid Earth and Environmental sciences: challenges, opportunities, and other adventures” angesetzt. Darin berichteten Dr. Ivonne Anders, Dr. Andrea Lammert und Dr. Karsten Peters in ihrer Präsentation “The challenging research data management support in the interdisciplinary cluster of excellence CliCCS” von den Herausforderungen sowie Möglichkeiten, die sich im Projekt CLICCS ergeben: von der Interdisziplinarität und damit verbundenen Inhomogenität der Datentypen bis hin zu der Weiterentwicklung von Datendiensten, Verwaltung des Zugriffs auf Big Data-Sets oder der Übertragbarkeit auf andere interdisziplinäre Projekte. Das Team um Dr. Daniel Neumann stellte in seinem Vortrag „AtMoDat: Improving the reusability of ATmospheric MOdel DATa with DataCite DOIs paving the path towards FAIR data“ vor, wie in dem vom DKRZ geleiteten Projekt AtMoDat die Wiederverwendung von archivierten Atmosphärenmodelldaten verbessert wird.

Highlight der Session CL3.3 “Bringing together future climate predictions and projections for Europe” am 5. Mai war die Präsentation The first multi-model ensemble of regional climate simulations at kilometer-scale resolution, Part I: Evaluation of precipitation”, in der erstmals Multi-Modell-Ensemblerechnungen von Niederschlagssimulationen mit einer Auflösung im Kilometerbereich vorgestellt wurden, und an der u.a. Dr. Ivonne Anders mitwirkte.

In der Session SSS10.4/EOS4 “Quantifying and communicating uncertain information in earth sciences” hielt Dr. Maria Moreno de Castro am 6. Mai den Vortrag "Uncertainty Quantification and Explainable Artificial Intelligence", welcher die häufigsten Probleme und deren Lösungen in Bezug auf die Verlässlichkeit von Methoden des Maschinellen Lernens thematisierte.

Die Session ESSI3.6 am 7. Mai widmete sich “Best Practices and Realities of Research Data Repositories“. Darin berichtete Dr. Karsten Peters stellvertretend für das Projektteam über den Prozess hin zur globalen Verteilung, Nachnutzung und der Langzeitarchivierung der Daten des MPI-M Grand Ensemble. Diese Daten des derzeit größten existierenden Ensembles von Klimasimulationen wurden mit Unterstützung der DKRZ-Abteilung Datenmanagement über die globale ESGF-Infrastruktur zum Juni 2019 veröffentlicht. Die Zugriffsstatistiken zeigen seitdem keinen Rückgang der Nachfrage und die langfristige Archivierung soll Ende 2020 beginnen. Am Ende der Session wurde beschlossen, die lebhafte Diskussion im dazugehörigen Live-Text-Chat zwischen internationalen Teilnehmenden wie beispielsweise aus den USA, Australien, Schweiz, Deutschland in interaktiveren Videositzungen fortzusetzen.

In der Session CL5.7 "Climate Services - Underpinning Science” am 7. Mai wurden mehrere neuartige Plattformen zur Unterstützung von Klimadiensten vorgestellt. Dr. Maria Moreno de Castro präsentierte mit "Broadening access to supercomputers for CMIP6 and CORDEX multimodel comparisons", den neuen Service für Analyseplattformen, der sich an Klimaforscher richtet, die datennahe serverseitige Multimodellvergleiche auf Supercomputern in IS-ENES3 durchführen möchten. Diesem Service speziell für Klimaforscher widmete sich auch die Präsentation "Boosting climate change research with direct access to high performance computers" in der Session CL2.6 "Detecting and attributing climate change: trends, extreme events, and impacts" am 7. Mai.

In der für den 8. Mai geplanten Session ESSI1.12 „Innovative Evaluation Frameworks and Platforms for Weather and Climate Research“ wurden innovative Methoden zur sinnvollen Integration, Verwaltung, Bewertung und Verbreitung von Informationen über die Qualität der Bereiche der Erdsystemwissenschaften diskutiert. Die Session wurde nicht nur von Dr. Christopher Kadow geleitet, sondern er trug auch mit zwei Präsentationen dazu bei: In dem Vortrag "Freva - New Aspects and Features“ stellte er die Software-Infrastruktur Freva (kurz für: Free Evaluation System) für standardisierte Daten- und Werkzeuglösungen in der Erdsystemwissenschaft vor. Bei der Präsentation „Integrating Model Evaluation and Observations into a Production-Release Pipeline“ wirkte er als Co-Autor mit. Das dort vorgestellte Webframework umfasst eine FAIRe und standardisierte Datenbank für große Datensätze und In-situ-Beobachtungsdaten, die in ein Format exportiert werden, das für Datenmodellvergleiche geeignet ist (insbesondere netCDF gemäß den CF-Konventionen).
Zur Session trugen ebenfalls Softwareentwicklungen bei, die am DKRZ für das Modellvergleichsprojekt CMIP6 entworfen und eingesetzt werden. Während Martin Schupfner die webbasierte CMIP6-Postprocessing-Infrastruktur vorstellte, handelte der Beitrag von Fabian Wachsmann von der Anwendung des Softwarepakets CDO innerhalb CMIP6 mit einem Fokus auf Operatoren zur Erstellung von standardisierten Klimaindizes. Carsten Ehbrecht nutze die Session, um „Building Web Processing Services with Birdhouse” zu thematisieren. Mit den vorgestellten Birdhouse-Tools können mithilfe von Vorlagen eigene Web Processing Services (WPS) eingerichtet und bereitgestellt werden. Im Live-Text-Chat diskutierten Nutzerinnen und Nutzer, die bereits WPS und Birdhouse-Tools verwenden.

In der Session ESSI2.11 “Earth/Environmental Science Applications on HPC and Cloud Infrastructures” präsentierte Merret Buurman am 7. Mai an vier Beispielen, welche Probleme überwunden werden mussten, als eine für Desktoprechner entworfene Software in eine Cloud-basierte Umgebung gebracht wurde. Im Projekt SeaDataCloud können Nutzerinnen und Nutzer von den Vorteilen einer solchen Online-Umgebung profitieren, wenn sie ozeanografische Daten verarbeiten.  

Dr. Christopher Kadow war als Co-Autor auch an den beiden Präsentationen “Improvement in the decadal prediction skill of the North Atlantic extratropical winter circulation through increased model resolution” und “Representation of the extratropical circulation in the MiKlip decadal prediction” beteiligt.

Das außergewöhnliche Engagement der DKRZ-Vortragenden sowie der gesamten EGU-Gemeinschaft, die Veranstaltung kurzfristig auf ein Online-Format umzustellen, war ein voller Erfolg. Was als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie entstand, zeigt auf, dass eine umweltfreundlichere Zusammenarbeit durch verstärkte Nutzung der Digitalisierung bei Vermeidung von Reisen möglich ist. Die Erfahrungen der EGU zeigen, dass Videokonferenzformate dabei sicher effizienter als Text-Chats sind, aber auch die haben ihre Grenzen, so dass persönliche Treffen und Diskussionen zukünftig weiter ihre Berechtigung haben werden.

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